Energiewende: Uneinigkeit über den Windenergie-Ausbau

Der Ausbau der erneuerbaren Energien kam in den letzten Jahren schnell voran – gefördert mit hohen Subventionen. Mittlerweile zeigt das Stromnetz seine Schwächen: Viele Offshore-Anlagen können nicht im Zeitplan an das Netz angeschlossen werden, zeitweise müssen Windkraftwerke wegen Überkapazitäten abgeschaltet werden. Aus diesem Grund sollte eine Deckelung des Ausbaus für einen moderaten Rückgang sorgen. Doch einige Länderchefs halten an ihren ehrgeizigen Zielen fest.

Ausbau der Windenergie drosseln: Ministerpräsidenten wehren sich

Baden-Württembergs Grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann peilt für das Jahr 2020 einen Windkraft-Anteil von zehn Prozent am Strommix an – und möchte daran auch künftig nichts ändern. Besonders die derzeit in Planung oder schon im Bau befindlichen Offshore-Anlagen in der Nordsee werden von den politischen Vertretern verteidigt – schließlich sind damit auch Fördergelder aus dem Bundesland sowie viele Arbeitsplätze verbunden. Auch wenn sich die meisten Bundesländer bereits im Vorfeld des kürzlich abgehaltenen Energiegipfels einsichtig zeigten, wurde besonders von Umweltminister Altmaier ein verbindlicher Fahrplan für den künftigen Ausbau der erneuerbaren Energien gefordert.

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© norbert weiß / pixelio.de

Zuwachs von Ökostrom: Netze überfordert

Bereits jetzt beträgt der Anteil des Ökostroms in Deutschland 25 Prozent. Obwohl die Bundesregierung ihre Ökostromziele bis zum Jahre 2020 von 35 auf 40 Prozent erhöht hat, ist laut Meinung von Altmaier eine Drosselung des Ausbaus notwendig – sonst werde dieses weit übertroffen. Widerstand kommt dagegen auch von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig: Er fordert eine staatliche Netzbetreiber-Gesellschaft, die den Ausbau der Stromnetze notfalls selbst in die Hand nimmt, wenn die privaten Stromkonzerne nicht in ausreichender Geschwindigkeit nachkommen sollten. Das hätte natürlich weitere Kostensteigerungen für den Stromkunden zur Folge, die die Regierung im Wahljahr auf jeden Fall verhindern möchte. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace macht hingegen darauf aufmerksam, dass eine Drosselung des Ausbaus mehrere 10.000 Arbeitsplätze gefährden könnte und plädiert auch für Windenergie im Süden des Landes – was neue Stromleitungen in Teilen überflüssig macht.

Einigung über neues EEG soll Investitionssicherheit bringen

Der Ausbau der erneuerbaren Energien ging in den letzten Jahren schnell vonstatten – laut Branchenexperten leider zu schnell. Denn weil Wind und Sonne nur unstetig und kaum vorhersehbar Strom liefern, kommt es zu Schwankungen in den Stromnetzen, die die konventionellen Kraftwerke ausgleichen müssten – was aber besonders Kernkraftwerke nicht können. Und so kommt es in Spitzenzeiten zu Abschaltungen von Windrädern. Doch weil besonders im Norden Arbeitsplätze und Investitionsgelder am grünen Strom hängen, setzen sich jetzt die Landeschefs zur Wehr – eine Einigung wird wohl noch auf sich warten lassen. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier.

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