Flixtrain macht der Bahn Konkurrenz – Eine Testfahrt

Flixbus ist ein Unternehmen, das auf den Autobahnen und Straßen in Deutschland öfter gesehen wird. Doch nun hat das Unternehmen noch einen Geniestreich in petto. Sie wollen der Bahn Konkurrenz machen und so schicken sie nun den Flixtrain ins Rennen.

Der Flixtrain verspricht günstige Preise für die Zugfahrt, günstige Verpflegung an Bord und dauerhaft gutes W-Lan für unterwegs. Ob Flixtrain diese Versprechen halten kann, finden wir heute heraus.

Zusammen mit einer Freundin mache ich mich auf den Weg von Stuttgart nach Hannover/ Messe Laatzen. Das sind knapp über 4 Stunden im Flixtrain. Wir verraten euch, ob wir uns wohlfühlen, wie die Mitarbeiter sind und ob wirklich alles eingehalten wird, was versprochen wird. Wir testen für euch den Flixtrain!

Günstige Preise bei Flixtrain

Bei der Bahn kostet ein Ticket so kurz vor Weihnachten für die Strecke von Stuttgart nach Laatzen (Hannover) rund 99,90 Euro. Selbst mit dem Sparpreis zahlt man für diese Strecke grundsätzlich 39,90 Euro. Eine günstigere Option gibt es nicht. Als wir den Preis recherchierten, wurde uns zudem auch noch eine Verspätung angezeigt – typisch Bahn haben wir das Gefühl.

Flixtrain lockt mit wunderbar günstigen Angeboten. Ab 9,99 Euro geht es von Stuttgart nach Berlin. Das lohnt sich und die Bahn würde niemals an diese Preise herankommen. Tatsächlich haben sie noch eine Preiserhöhung für nächstes Jahr vorgesehen. Da kann man nur hoffen, dass Flixtrain auf lange Sicht immer mehr gebucht wird, damit die Bahn umdenken muss.

flixtrain zug bahnsteig

Für ganz kurz Entschlossene ist die Fahrt am gleichen Tag mit 24,99 Euro auch nicht wirklich teuer und liegt damit immer noch unter dem Sparpreis der Bahn, den ihr 3 Monate im Voraus buchen müsstet. Preislich macht niemand Flixtrain etwas vor.

Wer auf lange Sicht planen möchte, hat bei der Bahn außerdem schlechte Karten, denn online kann man gerade einmal knapp 3 Monate im Voraus buchen. Wer sich überlegt, in einem halben Jahr mit der Bahn in den Urlaub zu fahren, muss warten, bis die Tickets auf den Tag genau verfügbar sind. Flexibilität sieht anders aus.

Flixtrain besser als Bahn?

Wer öfter schon einmal mit der Bahn gefahren ist, weiß nicht nur um die teuren Preise, sondern auch um die oft unbequeme Zugfahrt. Da fällt ein Waggon aus, der gebuchte Sitzplatz ist damit verfallen. Das W-Lan funktioniert mehr schlecht als recht und bricht immer wieder ab. Wer arbeiten möchte, braucht eine Steckdose, findet aber oft auch keine, weil sie kaputt ist, keinen Strom drauf hat oder schlichtweg nicht auffindbar ist.

Oft kommt es vor, dass jemand auf dem eigenen reservierten Platz sitzt, weil eben keine Sitzplatzgarantie herrscht und jeder sich irgendwo hinsetzt, wo gerade etwas frei ist. Oft artet der Hinweis auf die Reservierung des Sitzplatzes nicht aus und eine Diskussion darum startet. Entspanntes Reisen sieht anders aus.

All diese Unannehmlichkeiten, für die man bei der Bahn richtig viel Geld bezahlt, soll es bei Flixtrain nicht geben. Sie garantieren eine Sitzplatzgarantie, extra Beinfreiheit und W-Lan, das funktioniert. Bei genauerem Hinsehen auf der Website wird einem jedoch mitgeteilt, dass das W-Lan sich zum Teil noch in der Beta-Phase befindet und es zu Ausfällen kommen kann.

Eine durchgängige Stromversorgung soll es ebenfalls geben. Dafür gibt es Steckdosen und wenn eine Steckdose nicht verfügbar oder kaputt ist, soll es Powerbanks geben, die einem gereicht werden, damit man Strom hat. Das hört sich fast zu gut an, um wahr zu sein.

Wie bei der Bahn auch gibt es kostenlose Toiletten, eine Snackbar und Stellplätze für Fahrräder, die aber im voraus reserviert werden müssen. Die Tickets können ebenfalls dreißig Tage vor Fahrtantritt storniert werden und das kostenlos. Praktisch ist außerdem, dass Kombitickets bestehend aus Bahn und Bus angeboten werden. So könnt ihr gleich mit dem Bus weiterfahren, wenn der Zug nicht bis zu eurem Zielort fährt.

Gute Voraussetzungen für Flixtrain

Im Endeffekt hat der Flixtrain alle Voraussetzungen erfüllt, um ihn buchen zu wollen. Auf dem Papier zumindest sieht er gut aus. Doch wie steht es mit ihm in der Realität? Das wollen wir heute für euch ausprobieren und fahren mit dem Flixtrain von Stuttgart nach Hannover (Laatzen).

Uns interessiert vor allem, ob der Sitzplatz wirklich garantiert ist, wie die W-Lan- Verbindung aussieht und ob die Fahrzeiten eingehalten werden können. Das ist bisher das größte Manko der Bahn, das Zuspätkommen. Wenn es Flixtrain schaffen sollte, pünktlich zu sein, haben sie der Bahn einen riesengroßen Vorteil voraus. Wir sind gespannt, was uns die Reise bringen wird.

zug gleise bahnsteig mann

Die Fahrt mit dem Flixtrain – ein kleiner Erfahrungsbericht

Etwas ahnungslos standen wir am Bahnhof und wussten nicht genau, zu welchem Gleis wir mussten. In Stuttgart steht der Flixtrain aber tatsächlich auf der großen Anzeigetafel, sodass ein Gleis angegeben war. Man muss nur Ausschau nach FLX halten, denn das ist die Bezeichnung für den Flixtrain. Die anderen Bezeichnungen, die auf der Bahnkarte als Hinweis zum auffinden des Zuges beschrieben waren, waren allerdings nirgends angegeben.

Um sicher zu gehen, dass wir richtig sind, haben wir noch eine Frau gefragt, die dort am gleichen Gleis wartete. Sie erzählte, dass die Gleisvergabe beim Flixtrain immer etwas chaotisch ist. Das letzte Mal sei der Zug einfach zwei Minuten vor Abfahrt von der Tafel verschwunden und das Gleis wurde kurzfristig geändert, sodass alle Passagiere hektisch durch die Gegend gelaufen sind.

Die Erfahrung habe ich allerdings nicht gemacht. Völlig pünktlich kam der Zug an. Beim Einstieg harkte allerdings die erste Tür. Sie ließ sich nicht öffnen. Knapp 15 Leute standen davor, ruckelten daran herum, aber es tat sich nichts. So langsam drängte die Zeit zum Einstieg und wir gingen einfach einen Waggon weiter, um dort einzusteigen.

Dann kam irgendwie die Ernüchterung: Das ist ja gar keine neuer Zug! Die Züge von Flixtrain sehen immer so neu und schön aus. Tatsächlich sind es aber offensichtlich alte Züge von der Bahn, die schätzungsweise ausgemustert wurden und nun von Flixtrain benutzt werden können.

Überall ist noch das Bahn- Logo zu sehen und nur von außen ist wohl eine Klebefolie angebracht, die den Anschauen erwecken soll, dass der Zug neu ist. Von innen ist der Zug mit Graffiti beschmiert und hat einfach schon bessere Tage gesehen. Aber einmal ehrlich: Für 20 Euro nimmt man das in Kauf! Schließlich ist der Zug an sich nicht dreckig, sondern einfach nur alt und benutzt.

Die Sitzplatz- Garantie hat man übrigens tatsächlich, denn Flixtrain verkauft nur so viele Tickets, wie Plätze vorhanden sind. Rein theoretisch bräuchte man also nicht einmal eine Sitzplatzreservierung, denn einen Platz hat man so oder so. Nur wer einen Tisch möchte, sollte sich vielleicht einen Platz buchen, weil natürlich nicht gesichert ist, welchen Platz man bekommt. Ihr könnt euch nämlich hinsetzen, wo ihr wollt.

Wie in der Bahn auch gibt es Ruhebereiche mit 6er Abteile und große Abteile mit mehrere Menschen. Mehr Platz hat man außerdem, weil die alten Züge noch nicht mit Plätzen vollgestopft waren und alles ein bisschen weiter auseinander gezogen ist.

zugfahrt gleise bahnhof nacht

Kein W-Lan, aber nette Mitarbeiter und viel Beinfreiheit

Das W-Lan ging die ganze Zeit nicht, obwohl überall W-Lan- Boxen herumhängen. Man kommt zwar auf die Seite, auf der man sich verbinden könnte, man kann auch auf „Los Geht´s“ klicken, darüber hinaus passiert aber nichts. Weder auf unserem Laptop oder Handy tat sich etwas und die anderen Reisenden fragten auch schon das Flixtrain- Personal, aber nichts zu machen.

Das Personal an sich ist sehr nett. Es wird ständig sauber gemacht, Müllbeutel ausgeleert und Fragen beantwortet. Das Bordrestaurant bietet kalte und warme Speisen und Getränke an. Hier hat man auch wieder den direkten Vergleich mit der Bahn. Dort zahlt man über 3 Euro für einen Kaffee, bei Flixtrain gerade einmal 2,30 Euro. Pasta Napoli kosten 3,50 Euro, ein Bircher Müsli 2,80 Euro und ein paar Warme Wiener 3,80 Euro. Mit den Preisen kann Flixtrain auf jeden Fall punkten.

Die Fahrt an sich gestaltete sich gut. Der Zug kam überall recht pünktlich an und hatte am Ende auf der Strecke von Stuttgart nach Hannover gerade einmal 4 Minuten Verspätung, was eigentlich keine wirklich Verspätung ist. Von den Toiletten fielen nach und nach welche aus, aber dann muss man eben in einen anderen Waggon gehen. Alles kein Problem.

Fazit:

Wer den Luxus der Deutschen Bahn nicht braucht, ist mit Flixtrain bestens beraten. Die Fahrpreise sind so günstig, dass man die eingesetzten alten Züge verschmerzen kann. Auf das W-Lan kann ruhig auch einmal ein paar Stunden verzichtet werden, allerdings sollte Flixtrain wirklich daran arbeiten, wenn sie schon Werbung damit machen.

Die Preise fürs Essen und Getränke sind unschlagbar und die Mitarbeiter freundlich und nett. Auch das sollte bei der Bahn eine Selbstverständlichkeit sein, ist aber oftmals nicht der Fall. Alles in allem hat uns die Fahrt mit Flixtrain mehr als gut gefallen und so nutzen wir diese günstige Zugfahrt- Option nun auch privat. Unsere Daumen sind alle oben!