Sparfuchs: Lohnt sich die Lange Nacht der Museen?

Die lange Nacht der Museen lockt deutschlandweit viele Besucher an. Wir waren in Stuttgart für euch unterwegs, um herauszufinden, ob sich ein Besuch lohnt. Auch in Berlin, Hamburg, Erfurt, Frankfurt oder München finden immer wieder die lange Nacht der Museen statt.

In Stuttgart kostet ein Ticket 19 Euro, ein Kinderticket vier Euro für Kinder bis 14 Jahre. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Eigentlich ein faires Angebot, wenn ihr bedenkt, dass ihr mit einem Ticket rund 80 Museen auf einmal sehen könntet.

So könnt ihr euch die Museen herauspicken, die euch schon immer interessiert haben, zu denen ihr aber nie die Zeit gefunden habt. Das Praktische an der Nacht der Museen ist auch, dass es erst um 19 Uhr losgeht. Bis 2 Uhr nachts habt ihr die Möglichkeit, alles Museen abzuklappern und euch nach und nach die Ausstellungen anzuschauen.

Ganz nebenbei ist das Ticket auch für das gesamte Straßennetz nutzbar. Es werden extra Busse eingesetzt, die Touren zu den Museen fahren. Die Busse und Bahnen, die regulär in Stuttgart fahren, dürfen aber auch kostenlos mit dem lange Nacht der Museen Ticket genutzt werden.

Ein super Sache also für Menschen, die in der Stadt wohnen, aber tagsüber eher selten ins Museum gehen. Auch Touristen können mit dieser Idee gut die ganzen Museen in der Stadt kennenlernen und das nach einem Tag voller Spaß.

Doch ist das Konzept gut durchdacht? Bekommt ihr etwas für euer Geld oder steht ihr überall nur in langen Schlangen an? Wie ist es bei den großen Attraktionen und bei den ganz kleinen? Gibt es auch außergewöhnliche Dinge, die sonst nicht geöffnet sind?

Wir haben den Test für euch gemacht und finden heute eine Antwort auf die Frage:

Lohnt sich die lange Nacht der Museen?

Unsere Tour führte uns zum Hafen in Stuttgart Wangen, zum Atelier im Friedel, zur Galerie Wiedmann und Ikone Studio in Bad Cannstatt, zum Pragfriedhof in Stuttgart Nord und nach Stuttgart Mitte zum Kunstmuseum Stuttgart, zum Neuen Schloss und zum Bunker unter dem Marktplatz. Auf dem Weg dorthin haben wir noch einen Stopp beim Planetarium gemacht, dazu aber später mehr.

Überall konnten wir kostenlos mit Bus und Bahn fahren. Die aufgestellten Haltestellen, die extra vor den Museen zu finden waren, ließen sich leicht finden und lagen nicht versteckt. Es gab Pfeile zu jedem Museum, sodass ihr es auch ohne Ortskenntnis finden konntet. Die Augen offenhalten musstet ihr aber trotzdem.

Von der Organisation her war nichts zu bemängeln. Die Wege konnten gefunden werden, umsonst Bus und Bahn fahren war auch eine gute Idee, weil die Museen doch teilweise sehr weit auseinander lagen. Zwischendurch wurde immer wieder Essen und Getränke angeboten, alles wunderbar. Das Chaos fing erst bei den Museen an.

mercedes museum stuttgart eingang

Hafenrundfahrt in Stuttgart Wangen

Aber von Anfang an: Um Halb Sieben machten wir uns von Zuhause auf, um an den Hafen von Stuttgart Wangen zu gelangen. Wir fuhren nicht mit dem Museums- Bus, sondern mit der U-Bahn zur Hedelfingerstraße, mussten aber feststellen, dass die Idee gar nicht so gut war.

Der Fußweg zum Mittelkai war sehr lang und immer wieder fuhren Busse an uns vorbei, die unendlich viele Menschen an uns vorbei trugen. Die Schlange wurde länger und länger und es war noch nicht einmal 19 Uhr. Kurz vorher kamen wir an, tauschten unser Bändchen und bekam Karte Nr. 7, um an Bord gehen zu dürfen.

Zum Glück waren wir schon beim zweiten Boot dabei, denn die Besucher tummelten sich nur so auf dem kleinen Gelände. Essen wurde angeboten, eine kleine Kunstgemeinschaft informierte über sich. Freunde von uns, die eine halbe Stunde später ankamen als wir, hätten mit Karte Nr. 39 rund 1,5 Stunden warten müssen. Darauf hatten sie keine Lust und sind wieder gegangen. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Das hat sich hier wieder einmal gezeigt.

Die Bootsrundfahrt im Hafen war in Ordnung. Die Kunstinstallationen waren schön, aber wenig informativ, weil niemand etwas dazu gesagt hat. Immer mal wieder gab es kleine Künstlergruppen und Installationen mit Licht und Wasser am Hafen vom Boot aus zu sehen. Hauptsächlich ging es aber offensichtlich darum, Getränke an Board zu verkaufen. Irgendwie schade.

Kleine Ateliers in Bad Cannstatt

Von da aus ging es für uns weiter nach Bad Cannstatt. Hier wollten wir uns kleine Ateliers ansässiger Künstler anschauen. Man muss dazu sagen, dass wir um riesengroße Attraktionen wie das Mercedes Benz Museum, die Straßenbahnwelt oder das Porsche Museum einen großen Bogen gemacht haben, weil die Schlangen vor den Toren einfach abschreckend waren. Wir wissen nicht, wie lang die Wartezeiten waren, aber wir wollten es auch nicht herausfinden. So gingen wir also zu den Ateliers im Friedel, zum Ikone Studio und zur Galerie Wiedmann.

Die Ateliers im Friedel haben auf mich einen super Eindruck gemacht, mit tollen Kunstwerken und Künstlern, die man direkt zu ihren Arbeiten fragen konnte. Das Ikone Studio war sehr klein, dafür war die Ausstellung gut und die Galerie Wiedmann kam uns am herzlichsten vor. Dort wurde man direkt angesprochen, es wurde zu allem etwas erzählt, man wurde schlichtweg herzlich empfangen. Nachfragen wurden beantwortet, auch zum verstorbenen Künstler, der im Keller ausstellte.

Die Gespräche haben sich gelohnt, aber wenn wir ehrlich sind, hätten wir diese auch umsonst bekommen. Ab und zu haben die Galerien und Ateliers nämlich auf, sodass man dort auch umsonst hineingehen kann. Die kleinen Ateliers sind also kein Grund, um ein Ticket für die lange Nacht der Museen zu kaufen, denn ihr könnt sie euch sowieso kostenlos anschauen.

Pragfriedhof – Das Highlight

Unser aller Highlight war der Pragfriedhof. Wir fragten uns, was es mit einer Ausstellung auf dem Pragfriedhof zu tun hat und so kamen wir nicht umhin, dort vorbeizuschauen. Vor dem Eingang tummelten sich einige Menschen, aber die Schlange war nicht groß. Wir stellen und an und kamen mit der nächsten Fuhre auch hinein.

Die Dia- Show und der Vortrag am Anfang waren eher langweilig, aber informativ. Im Anschluss konnte man sich die Sargversenkungsanlage anschauen und einen Blick ins Krematorium werfen. Das war tatsächlich sehr interessant. Es wurden viele Fragen beantwortet, sehr offen mit dem Thema Tod umgegangen und später konnte man bei einem Bier noch mit den Mitarbeitern plaudern, die zu allem Rede und Antwort standen. Super!

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Enttäuschung mit langen Wartezeiten

Anschließend wollten wir auf dem Weg in die Stadt am Planetarium vorbeischauen. Hier sollte alle 25 Minuten im Kuppelsaal eine Vorstellung stattfinden. Bevor wir das Planetarium sahen, sahen wir die Menschenschlange. Im Kuppelsaal finden rund 270 Menschen Platz, die Schlange war aber viel länger. Wartezeiten bis zu 50 Minuten sind keine Seltenheit, also entschieden wir uns dazu, wieder aufzubrechen.

Anschließend fuhren wir zum Bunker unter dem Marktplatz, aber auch hier das gleiche Bild: Schlangen über Schlangen, die sich über den gesamten Marktplatz schlängelten. Mittlerweile war es schon 00.45 Uhr, sodass wenig Hoffnung bestand, dass wir noch hineingelassen werden würden. Auf Nachfragen sagte man uns, dass wir Wartezeiten von rund 40 bis 50 Minuten zu erwarten hatten. Das war uns zu viel und so wechselten wir wieder den Standort.

Stuttgart Mitte – Gar nicht so voll, wie wir dachten

Nun erlebten wir tatsächlich eine Überraschung, mit der wir nicht gerechnet hatten: Am neuen Schloss stand niemand an. Gut, niemand ist auch untertrieben, aber im Endeffekt konnten wir unsere Taschen abgeben und zwei Minuten später befanden wir uns schon im Schloss.

Das Gebäude an sich ist sehr eindrucksvoll. Über eine Treppe geht es nach oben. Wir wurden durch ein paar Zimmer geschleust, von denen viele normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Ein paar Tänze wurden aufgeführt, Schausteller in prunkvollen, pompösen Kleidern waren zu sehen, Fragen durften an diese gerichtet werden. Eine Führung gab es leider zu dieser Zeit nicht mehr, trotzdem war der Besuch interessant und spannend zugleich.

Weiter ging es für uns in das Kunstmuseum Stuttgart. Es befindet sich auf dem Schlossplatz und ist nicht zu verfehlen. Ganz aus Glas und toll beleuchtet zeigte es sich uns. Am Eingang wurde uns erzählt, dass 15 bis 30 Minuten Wartezeit keine Seltenheit sind und so waren wir froh, so später hier zu sein. Wir hatten keine Wartezeit und auch Platz genug, um alles zu sehen.

Leider waren die Mitarbeiter im Inneren des Museums sehr unhöflich, was den Spaß am Besuch etwas geschmälert hat. Zu sehen gab es moderne Kunst, Fotokunst und die Höhepunkte der Städtischen Sammlung. Otto Dix, Willi Baumeister, Dieter Roth und viele Neuankäufe waren zu besichtigen. Nach einer dreiviertel Stunde waren wir aber auch hier durch.

Zum Abschluss wollten wir noch ins Landesmuseum Stuttgart. Es war 1.40 Uhr, noch 20 Minuten bevor die Museen schließen wollten, doch man ließ uns nicht hinein. Es hieß, es würde schon abgebaut werden. Nur die Toilette sei noch offen. Da fragt man sich doch, warum überall stand, das bis 2 Uhr geöffnet ist, wenn dann schon um 1.40 Uhr geschlossen wird. Ziemlich enttäuschend.

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Fazit:

Die Frage „Lohnt sich die lange Nacht der Museen?“ können wir mit einem klaren Nein beantworten. Zwar gibt es ein paar Museen zu sehen, die sonst nicht geöffnet haben, aber dort sind so lange Schlangen anzutreffen, dass man sich gar nicht anstellen braucht.

Insgesamt geht die lange Nacht der Museen von 19 bis 2 Uhr nachts, also insgesamt sieben Stunden. Von diesen sieben Stunden steht man mindestens die Hälfte der Zeit an und in der anderen Hälfte fährt man von A nach B mit Bus und Bahn.

Enttäuschend war, dass man bei den meisten Museen und Vorstellungen gar nicht hineingekommen ist. Das Planetarium, der Bunker am Marktplatz, das Mercedes Museum und das Porsche Museum waren vergeudete Zeit. Hingehen, sehen, dass es zu voll ist und wieder weggehen. Schade!

Zudem lohnen sich nicht für jeden die kleinen Ateliers, denn wenn man ehrlich ist, sind diese in der Regel kostenlos. Ihr spart also nur die Kosten für das Bahnticket dahin. Manche Ateliers haben aber auch eher selten geöffnet und so hat sich der Gang dorthin schon gelohnt. Es ist halt die Frage, was man vor Ort erwartet.

Auch der Pragfriedhof bietet einmal im Monat kostenlos diese Führung, allerdings sogar noch ausführlicher. 1,5 Stunden Zeit habt ihr dann Zeit, euch mit den tollen Menschen vor Ort über ihren Beruf auszutauschen, den Friedhof zu bestaunen und die Anlagen anzuschauen.

Im Endeffekt haben wir nur Galerien, Vorträge und Ateliers gesehen, die zwar nicht oft ihre Tore öffnen, dafür aber umsonst sind. Einzig und allein der Umstand, dass sie alle auf einmal geöffnet hatten, hat die lange Nacht der Museen für uns attraktiv gemacht. So musste man nicht auf die Öffnungszeiten schauen, sondern konnte einfach losgehen.

Da die Fahrkarte im Preis inbegriffen ist, sind die Ticketpreis für die Nacht der Museen in Ordnung. So musste man wenigstens die Hin- und Herfahrten nicht bezahlen. Diese haben übrigens am meisten Zeit gekostet, obwohl wir uns eine Route durchgeplant hatten.

Alles in allem lohnt es sich nur, wenn ihr euch wirklich zwei Museen herauspickt, die teuer sind, damit ihr auf die 20 Euro kommt. Alles auf einmal anschauen zu wollen, ist eher unrealistisch. In diesen solltet ihr dann den Abend ausführlich verbringen und euch alles anschauen. Was wiederum schwierig sein kann, da ganz viele andere Menschen ebenfalls diese Idee haben. Für uns hat es sich absolut nicht gelohnt.